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11009 Sekundäre Wertschöpfung: Personalwesen

Während in vielen Unternehmen das größte Augenmerk des Alltags auf der primären Wertschöpfung liegt, geraten wichtige Unternehmensbereiche der sekundären Wertschöpfung in den Hintergrund und werden infolgedessen in ihrer unternehmerischen Bedeutung oft unterschätzt. In Teil 1 wurde auf die Instandhaltung als wesentlicher Bereich der sekundären Wertschöpfung eingegangen. In diesem Artikel soll das Personalwesen hinsichtlich seiner Tragweite erläutert werden. Denn diese Abteilung beschäftigt sich mit dem Menschen als Dreh- und Angelpunkt, der die größte Stellschraube für alle wertschöpfenden Prozesse darstellt. Es werden basierend auf Praxiserfahrungen einige Trugschlüsse offengelegt und Wege aufgezeigt, die versteckten Potenziale nutzbar zu machen. [1]
von:

1 Wahrnehmung des Personalwesens

In vielen Unternehmen wird die Personalabteilung in erster Linie mit den operativen Funktionen in Zusammenhang gebracht. Diese sind beispielsweise die Arbeitszeiterfassung, die Lohnbuchhaltung und die Mitarbeiterbeschaffung. Die eher strategischen Aufgabenfelder des Personalwesens werden innerbetrieblich häufig weniger wahrgenommen. Das resultierende Klischeebild, das in vielen Köpfen vorherrscht, ist nur eine logische Konsequenz davon.
Mittel zum Zweck ...
Die Wahrnehmung des Personalwesens als zentrale Abteilung hängt jedoch meist davon ab, welche Bedeutung ihm seitens der Unternehmensführung beigemessen wird. Wenn es nur als notwendiges Mittel zum Zweck gesehen wird, wird ihm auch nur das absolute Minimum an Aufmerksamkeit geschenkt. Das wiederum kann dann leicht mit den Erwartungen an Mitarbeitende und Prozesse im Widerspruch stehen. Auf solche Kollisionen wird in diesem Artikel näher eingegangen.
... oder Schlüsselfunktion
Andererseits kann das umfassende Personalwesen auch als strategische Schlüsselabteilung betrachtet werden, denn wertschöpfende Prozesse werden von Menschen geschaffen, gesteuert und überwacht. Das rückt den Mitarbeitenden in eine zentrale Position und fordert entsprechend viel Aufmerksamkeit und langfristiges Denken im Unternehmen.

2 Beispiele für klassische Dilemmata und fehlende Gewichtung des Personalwesens

In Abhängigkeit davon, wie das Personalwesen im Unternehmen wahrgenommen wird, kann es leicht passieren, dass Gestaltungsfelder eine zu geringe Aufmerksamkeit bekommen. In den nachfolgenden Kapiteln soll auf ein paar klassische Gestaltungsfelder des Personalwesens eingegangen werden, die erfahrungsgemäß in vielen Unternehmen in ihrer Bedeutung unterschätzt werden.

2.1 Konfliktmanagement bei Führungskräften

Schon seit vielen Jahren sind Führungskräfte auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Somit sind die Zeiten, in denen ein Wunschkandidat mit der benötigten Fach- und Führungskompetenz einfach beschafft wird, längst vorbei. So liegt es nahe, im Bedarfsfall in den eigenen Reihen nach einem Kandidaten zu suchen. Geprägt durch das operative Alltagsgeschäft liegt der Fokus schnell auf all den Mitarbeitenden, die ihren bisherigen Aufgaben gut gewachsen sind und sich mit guten Ergebnissen hervortun.
Ungewohnte Herausforderungen
Zur Veranschaulichung wird hier ein fiktiver Mitarbeiter namens Willy herangezogen. Willy ist schon 55 Jahre alt und seit über 20 Jahren ein treuer Mitarbeiter des Unternehmens. Die Produkte in seinem Fertigungsbereich kennt er alle auswendig und die Bearbeitung der Bauteile beherrscht keiner so präzise wie er. Wenn an den Maschinen Programme nicht sauber funktionieren, ist er derjenige, der das Problem am schnellsten lösen kann. Auch die Maschinenpflege wird bei ihm nicht vernachlässigt. Jeden Abend nimmt er sich wie ein Schweizer Uhrwerk die Zeit, seine Maschine zu putzen und zu pflegen. Entsprechend wird er von seinem Umfeld als stabile Säule im Unternehmen wahrgenommen. Eine solche Stabilität bleibt natürlich nicht unentdeckt. Folglich wird wegen des dringenden Bedarfs für einen Abteilungsleiter ein entspanntes, formfreies Gespräch mit Willy geführt. Ihm wird von der Geschäftsleitung beteuert, dass die Firma ihn dringend brauchen würde. Während der Personaler das Gespräch lediglich begleitet, fühlt sich Willy in seiner Loyalität gefordert und fügt sich seiner neuen und noch unübersichtlichen Aufgabe.
Nach einer schnellen Mitteilung an die Mitarbeitenden, dass sie nun einen neuen Vorgesetzten haben, wühlt sich Willy durch die Bürokratie des Shopfloors, mit der er bislang noch nie Kontakt hatte. Willy kannte bislang die Maschinen als technisches Hilfsmittel, die genau das tun, was sie tun sollen.
Überforderung in Konfliktsituationen
In den kommenden Wochen kämpft sich Willy durch Arbeitspläne, Fragen zur Arbeitssicherheit und Urlaubspläne. Plötzlich klopft es an seiner Bürotür und eine Mitarbeiterin aus Willys Abteilung kommt herein. Sie ist sichtlich außer sich über das Verhalten eines Kollegen und beteuert, dass sie auf keinen Fall weiter mit dieser unverschämten Person reden oder arbeiten würde. Aus einer berechenbaren Welt der Technik herausgerissen, steht Willy nun hilflos im Raum und stellt sich eine Vielfalt von Fragen: Was mache ich jetzt mit der aufgelösten Mitarbeiterin? In den Arm nehmen und trösten? Wegschicken? Zur Personalabteilung schicken? Den anderen Mitarbeiter rausschmeißen? Was darf oder soll ich überhaupt? Willy entscheidet sich, die andere Seite auch anzuhören und lässt den besagten Mitarbeiter holen. Als dieser hereinkommt, schließt Willy die Tür, damit niemand in der Fertigungshalle seine Überforderung bemerkt. Als alle drei im Raum stehen, wird es schnell lauter und der Ton aggressiver. Willy steht schweißgebadet zwischen den beiden Streitenden und wechselt sekündlich mit seinem Blick zwischen den beiden hin und her. Die Lawine des rauen Wortgefechts wird mit einem Mal von der lauten Pausenhupe unterbrochen. Beide verlassen fluchtartig den Raum. Willy bleibt noch immer im Büro stehen und weiß nicht recht, wie ihm geschieht. Er schlussfolgert, als er heute früher Feierabend macht: Maschinen sind großartig! Sie machen all das, was sie sollen, wenn man sie sauber hält und können auch einfach repariert werden.
Zwischenfazit
In dieser Darstellung wird praktisch und farbenfroh verdeutlicht, dass die Besetzung von Führungspositionen weitaus komplexer ist, als nur einen Menschen mit fachlicher Kompetenz zu suchen und ihm die entsprechende Stelle zu geben. In solchen Fällen müssen im Rahmen des Personalwesens auch Themen berücksichtigt werden wie beispielsweise Eignungsdiagnostik und Führungskräftecoaching. Dies ist wichtig, da ein Mitarbeiter erfahrungsgemäß nicht unbedingt eine gute Führungskraft ist, nur weil er eine gute Fachkraft ist.
Fachliches Aufgabenfeld der Personalabteilung
Das Personalwesen gehört zur sekundären Wertschöpfung und kann leicht unterschätzt werden. Das Beispiel zeigt, dass die Personalabteilung sich nicht nur mit der reinen Abwicklung und passiven Begleitung von Personalvorgängen beschäftigen, sondern eine formgebende Rolle spielen sollte. Im geschilderten Szenario wurde dem Personaler lediglich eine passive Rolle beigemessen. Folglich wurden personalwissenschaftliche Gesichtspunkte vernachlässigt. Der Mitarbeiter Willy wurde ausgesucht, weil er in seiner bisherigen Funktion gute Leistung erbracht hat. Dabei wurde jedoch nicht analysiert, ob er weitere Talente und Begabungen hat. Es wurde weder ein konkretes Anforderungsprofil für die offene Stelle definiert, noch wurden die Potenziale von Willy eingehend untersucht. Beide Vorgänge gehören zum fachlichen Aufgabenfeld einer Personalabteilung, die im Unternehmen eine angemessene Gewichtung bekommt.

2.2 Verborgene Talente

Im nachfolgenden fiktiven Beispiel sollen wieder die Gestaltungsfelder einer Personalabteilung in ihrer Bedeutung aufgezeigt werden, die in vielen Unternehmen unterschätzt werden oder in den operativen Prozessen untergehen.
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