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11006 Planung der vertikalen Fabrik

V-ZUG realisiert eine vertikale Fabrik am bestehenden Hauptsitz in Zug. Die Planung der Fabrik erfolgte gemeinsam mit der Firma UNITY AG und gemäß ihrem Phasenmodell. Die vertikale Fabrik hat aufgrund des geringeren Flächenbedarfs auch eine reduzierte Grundfläche, weil sie auf dem bisher komplett belegten Gesamtareal zusätzliche Nutzungen ermöglicht. Der zweite Hebel zur wirtschaftlichen Realisierung dieser Transformation im laufenden Betrieb sind betriebliche Verbesserungen. Schon während das erste Gebäude erstellt wird, ist der Spatenstich für den nächsten Neubau direkt im Anschluss geplant. [1]
von:

1 Horizontal versus vertikal

Es ist seit einigen Jahren das Mantra der Fabrikplanung, die Funktionsbereiche möglichst ebenerdig anzuordnen. Grundsätzlich verspricht man sich dadurch einfachere und kürzere Transportwege zwischen den einzelnen Produktions- und Lagerbereichen. Und nicht zuletzt vermeidet man so die Komplikation eines Etagenübergangs im Materialfluss, der durch adäquate Vertikalisierungstechnik bewerkstelligt werden müsste.
Vertikal teurer als horizontal?
Eine allgemeine Faustregel der Fabrikplanung besagt zudem, dass 1 m vertikaler Transport zehnmal so hohe Kosten (Gesamtkosten, sprich Technologie-, Installations- und Betriebskosten) verursacht wie die gleiche Strecke horizontal. Was die oben genannte Prämisse der Ebenerdigkeit in der Fabrikplanung zu stützen scheint.
Teurer, langsamer und weniger flexibel
Die große Kostendifferenz zwischen „vertikal” und „horizontal” ist dabei hauptsächlich auf folgende drei Aspekte zurückzuführen: Das Vertikalisierungselement bringt höhere Installationskosten mit sich und ist dabei im Betrieb tendenziell langsamer und weniger flexibel. Dies gilt sowohl für den Materialfluss wie auch für den Informationsfluss zwischen den Mitarbeitenden.
Argumente für eine Vertikalisierung
Was diese Betrachtung in Gänze außen vor lässt, sind die peripheren Rahmenbedingungen einer funktionierenden, in ihre Umwelt integrierten Fabrik. Dem Begriff des Öko- und Arbeitssystems kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Am Beispiel des Schweizer Traditionshauses V-ZUG AG soll gezeigt werden, dass es durchaus valide Beweggründe gibt, eine „Vertikalisierung” anstelle der üblichen „Horizontalisierung” voranzutreiben.
V-ZUG AG
Die V-ZUG AG gehört zu den renommiertesten und bekanntesten Mittelständlern der Schweiz und hat sich im Kern auf die Entwicklung und Produktion von weißer Ware (Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Backöfen für den Hausgebrauch) spezialisiert. Mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten ist die V-ZUG AG Marktführer im Schweizer Haushaltsgeschäft. Bereits am Firmennamen ist dabei die enge Verbundenheit mit der Schweizer Stadt Zug abzulesen. Das Unternehmen produziert bereits seit 1913 unweit vom Stadtzentrum und gehört entsprechend zum Zuger Stadtbild. Die V-ZUG AG ist damit fester Bestandteil des städtischen Ökosystems und ebenso die Stadt strategischer Bestandteil des unternehmerischen Öko- und Arbeitssystems.
Symbiotisches Ökosystem
Im Rahmen der strategischen Unternehmensplanung wurde die Notwendigkeit zur Erneuerung eines Großteils der Gebäude des aktuellen Perimeters (damit ist die Gesamtfläche gemeint, auf dem die Firma ihre Gebäude stehen hat) erkannt. Dem oben beschriebenen Gedanken der symbiotischen Ökosysteme von Unternehmen und Stadt Rechnung tragend, wurde das Konzept einer „vertikalen Fabrik” entwickelt.
Öffnung der Fläche für die urbane Nutzung
Dass dieses zukunftsweisende Bauprojekt eine vertikale Fabrik vorsieht, ist hauptsächlich dem Gedanken geschuldet, die bislang vornehmlich industriell genutzte Fläche im Zentrum der Stadt Zug für den urbanen Raum zu öffnen und neben der Industrie weitere gewerbliche und private Nutzung des Bauperimeters zu ermöglichen. So entstehen im Rahmen eines übergreifenden Technologieclusters (neben der Planung der vertikalen Fabrik der V-ZUG AG soll auf dem Areal parallel der Technologiecluster ZUG als Vereinigung verschiedener Nutzungen wie z. B. Start-ups, Wohnen, Ausbildung entstehen) mannigfaltige Synergien für die V-ZUG AG und ihre Mitarbeitenden.
Was spricht für eine Vertikalisierung?
Aus dem zusätzlichen Flächenbedarf für eine neue, teils nicht industrielle Nutzung lässt sich die Notwendigkeit ableiten, die bestehende Grundfläche der industriellen Nutzung durch V-ZUG zu reduzieren und die benötigten Flächen vertikal anzuordnen. Das führt zu einer Verdichtung u. a. durch Vertikalisierung. Die Gründe, die dafür sprechen, werden im Folgenden (s. auch Abb. 1) erläutert.
Abb. 1: Vier Argumente für die Vertikalisierung [2]
Kosten
Die Kosten für gewerblich nutzbares Land steigen stetig an. Dies zeigt sich speziell in Hochlohnländern und in städtischen und stadtnahen Gebieten. Bei extremen Konstellationen dieser Einflussfaktoren bleibt somit oft nur die Möglichkeit, den Standort zu verlagern (ländliches Gebiet/Tieflohnland) oder den aktuellen Footprint deutlich zu verkleinern. Auch bei Landeigentum steigt der Druck, die vorhandenen Flächen effizient zu nutzen. Somit besteht auch hier ein Anreiz, die Flächeneffizienz zu optimieren und den Flächenbedarf zu reduzieren. Die somit freigespielten Flächen könnten dann einer allfälligen Drittnutzung zur Verfügung gestellt werden und Mieteinnahmen generieren.
Platzangebot
Das Platzangebot und die Verfügbarkeit von Grundstücken sind oft eingeschränkt. Dies hat dann zur Folge, dass die großen Grundstücksflächen, die für eine ebenerdige Fabrik benötigt werden, nur noch in abgelegenen ländlichen Teilen oder im Ausland verfügbar sind.
Standortabhängigkeit
Es gibt viele Unternehmen, die stark vom Produktionsstandort abhängig sind. Dies kann unterschiedliche Gründe haben:
Expertise und Fachkräfte sind anderweitig nur schwer zu finden,
der Standort ist ein Teil der Marke und wird aktiv genutzt,
allgemeine Personalverfügbarkeit ist nicht überall gleich gut,
soziale Verpflichtungen am Standort (z. B. einziger großer Arbeitgeber der Umgebung).
Für die Belegschaft, die einen kurzen Arbeitsweg als großen Vorteil versteht, würde die Verlagerung in den ländlichen Raum ggf. tägliches Pendeln oder Umzug bedeuten – was in Zeiten des Fachkräftemangels zu spürbar negativen Effekten auf Qualität und Lohnkosten der Belegschaft führen kann.
Urbanes Leben
Der Trend geht in Richtung verdichtete urbane Arealplanung. Dies hat zur Folge, dass Arbeit, Freizeit und Leben wieder näher zusammenrücken. Es werden vermehrt Koexistenzräume geschaffen, wo auf dem gleichen Areal Wohnraum, Restaurants, Einkaufmöglichkeiten sowie auch Arbeitsstätten verortet sind. Für die Motivation der Belegschaft ist es viel wert, ein ansprechendes Umfeld zur Verfügung zu stellen. Ein ansprechendes Umfeld bedeutet zum Beispiel, einen kleinen Spaziergang im angrenzenden Park machen zu können, in der Mittagspause diverse Verpflegungsmöglichkeiten zur Auswahl zu haben, zwischendurch einen kleinen Einkauf erledigen zu können oder nach der Arbeit das nahegelegene Fitnessangebot in Anspruch zu nehmen.
Standortverbundenheit
Diese vier oben genannten Punkte zeigen sich fast mustergültig am Beispiel der V-ZUG AG. Die Standortverbundenheit ist stark ausgeprägt. Das Unternehmen trägt die Ortschaft im Firmennamen und wirbt aktiv damit. Die sozialen Verpflichtungen am Standort sind hoch, da es sich um ein Traditionsunternehmen handelt, das schon seit über hundert Jahren als einer der größten Arbeitgeber der Stadt gilt. Zusätzlich hat das Unternehmen den Anspruch und die Notwendigkeit, als attraktiver Arbeitgeber hoch kompetente Mitarbeiter langfristig an sich zu binden und seine Position als innovatives Unternehmen zu verteidigen.
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