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03407 Marketing in Maintenance

Mit Marketingmaßnahmen zu mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung [1]

Eine Welt ohne Instandhaltung? Für viele ist das undenkbar. Genauso undenkbar ist der erfolgreiche Verkauf eines Produkts, ohne Werbung, ohne Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, sprich ohne ein auf den Kunden ausgerichtetes Marketing.
Das ist auch die eindeutige Meinung der Instandhaltungsexperten/-expertinnen von produzierenden Unternehmen [2]. Allerdings leiden in der Realität viele Instandhaltungen sowie die Instandhalter und ihre Tätigkeiten selbst an einem Imageproblem. Die Gründe hierfür sind vielfältig: fehlendes Grundverständnis für den Wertschöpfungsbeitrag und den Stellenwert der Instandhaltung im Produktlebenszyklus, unzureichendes Know-how des eigenen Produktionsprozesses, festgefahrene Ablaufprozesse im Unternehmen oder mangelnder Einsatz von Instrumenten, um den maßgeblichen Beitrag der Instandhaltung aufzuzeigen. [3]
von:

1 Einleitung

Viele Experten sind der Meinung, dass die Einführung von digitalen Überwachungstechnologien im Zuge von Industrie 4.0 eine Trendwende hervorrufen wird. Predictive Maintenance, Condition-Monitoring-Systeme, Internet of Things und Drohnen sind nur einige technologische Beispiele, die den Paradigmenwechsel des aktuellen Instandhaltungsbereichs hin zu Smart Maintenance dominieren werden. Damit dieser Wandel jedoch erfolgen kann und die Verfügbarkeit von Produktionsanlagen steigt, ist die Instandhaltung primär als ein integraler Bestandteil in der Wertschöpfungskette durch die Unternehmensleitung zu betrachten.
Tradition trifft Innovation
Darüber hinaus darf neben den modernen Technologien die „klassische” Instandhaltung nicht vernachlässigt werden. Das Planen und Durchführen von Wartungen und Inspektionen ist weiterhin ein essenzieller Bestandteil des Instandhaltungsbereichs und von gleicher Bedeutung wie moderne Überwachungstechnologien( [4], S. 3). Der einfachste Weg zu diesem Sinneswandel erfolgt durch die Anerkennung von Innovationen, alternativ kann auch ein wirtschaftlicher Schaden im Produktionsbereich mit resultierendem Qualitätsverlust diesen Wandel hervorrufen. [5]
Belegschaft als Erfolgsfaktor
Sofern die Umorientierung hin zu Smart Maintenance unabhängig von einer bestimmten Ursache stattgefunden hat, muss das an die Belegschaft weitergegeben werden. Die Instandhaltung wird daraufhin als ein aktiver Bestandteil der Wertschöpfungskette betrachtet. Dieser Erfolg wird durch die Integration moderner Instandhaltungskonzepte bekräftigt. Unterstützt durch eine Unternehmenskultur, die Zuständigkeitsdenken und Rivalität zwischen einzelnen Abteilungen ablehnt, werden verantwortungsvolle Instandhaltungsmitarbeiter mit Eigeninitiative geschaffen. Um diese Vision zu verwirklichen und damit nicht nur den Instandhaltungsbereich, sondern auch den Unternehmenserfolg nachhaltig zu verbessern, ist eine unternehmensweite Sensibilisierung für den Stellenwert der Instandhaltung erforderlich ( [4], S. 10).
Die Wahrnehmung der Instandhaltung hat sich in den vergangenen Jahren zwar generell verbessert, jedoch wird ihre Bedeutung für den Unternehmenserfolg weiterhin unterschätzt. Ausschlaggebende Faktoren sind die konstant ansteigenden Instandhaltungskosten, fehlendes Know-how über den Tätigkeits- und Verantwortungsbereich der Instandhaltung sowie mangelnde bzw. unzureichende interne und externe (Marketing-)Kommunikation der Instandhalter selbst. ( [4], S. 10)
Image aufbessern
Aus diesen Gründen besteht akuter Handlungsbedarf (s. Abb. 1):
sich aus der Kosten-Verursacher-Ecke herauszuarbeiten,
als wertschöpfender und wertgeschätzter Faktor wahrgenommen zu werden,
die erzielte Ratio sowie die vermiedenen Produktionsausfallkosten darzustellen,
sich in Zeiten des akuten Fachkräftemangels gegenüber dem Bewerbermarkt via Marketingkampagnen attraktiv darzustellen.
Abb. 1: Problemstellung aufgezeigt anhand eines Anbieter-Nachfrager-Modells [4], [6]
Ein langfristiger Erfolg der ausgearbeiteten Marketingmaßnahmen ist zu verzeichnen, sobald der innerbetriebliche Instandhaltungsbereich vom Topmanagement aktiv unterstützt wird, vom Unternehmen als aktiver Bestandteil in der Wertschöpfungskette betrachtet wird und die Instandhaltung als essenzielle „Marke” wahrgenommen wird (s. Abb. 2).
Konkrete quantitative Zielsetzungen, die aus den Marketingmaßnahmen resultieren und erreicht werden wollen, werden nachfolgend aufgeführt:
Zielsetzung A:Bereitstellung ausreichender Ressourcen wie Finanzen und Personal im Instandhaltungsbereich zur Umsetzung der Projekte
Zielsetzung B:Langfristige Sensibilisierung der Führungspositionen und Mitarbeiter im Instandhaltungsbereich zur selbstständigen nachhaltigen Vermarktung des Instandhaltungsbereichs ( [4], S. 13)
Abb. 2: Einordnung von Marketing anhand eines Anbieter-Nachfrager-Modells [4] [6]

2 Aktuelle Situation

In vielen Unternehmen und Organisationen ist das Bewusstsein für „professionelle Kommunikation” und selbstständiges, nachhaltiges Marketing jedoch noch nicht ausreichend ausgeprägt.
Leider sind immer noch Aussagen wie diese zu hören:
„Ich tue Gutes für das Unternehmen, muss nicht darüber reden.”
„Präsentieren und Reden habe ich nicht gelernt, das ist nicht meine Stärke. Ich will lieber schrauben!”
„Es ist doch selbstverständlich, dass man Instandhaltung benötigt.”
„Früher musste ich mich nur um Mechanik und Elektrik kümmern. Jetzt muss ich mich auch noch um IT, OT, Datenanalyse und Sustainability kümmern.”
„Marketing? Benötigen wir jetzt wohl auch noch einen Vertriebler oder Marketingspezialisten in unserer Instandhaltung?”
Ich erlaube mir zu behaupten, dass die Instandhaltungen weltweit und branchenübergreifend jede eingetretene technologische Herausforderung gemeistert haben und dies auch in Zukunft tun werden.
Es scheint jedoch, dass sich die Instandhaltung in Bezug auf das Thema Kommunikation nicht bedarfsbezogen weiterentwickelt hat und sich noch immer an das von Charles Dickens formulierte Zitat orientiert, das vor ca. 150 Jahren ausgesprochen wurde: „Tu so viel Gutes, wie Du kannst, und mache so wenig Gerede wie nur möglich darüber.”
Gutes tun und darüber reden!
Zu beobachten ist außerdem, dass Marketing und die Vermarktung der Ergebnisse oft fälschlicherweise als einmalige, nicht nachhaltige Initiative bzw. als Projekt angegangen werden. Auch wird das Vermarkten von Ergebnissen der Instandhaltungsorganisation in vielen Unternehmen anderen Abteilungen überlassen, die sich dann gerne mit „diesen fremden Federn schmücken”.
Doch richten wir den Blick nach vorne. Es ist nun Zeit, die steinzeitliche kommunikationsbefreite Höhle zu verlassen und mit professioneller Kommunikation im Zuge von Marketing zu beginnen.

3 Verständnis für Marketing erzielen

Wie bereits erwähnt, ist Marketing kein Projekt, sondern ein professioneller, stetig fortzuführender Austauschprozess mit allen Partnern bis hin zum Topmanagement. Hierzu gilt es, sich auf eine Art Reise zu begeben, deren Startpunkt und Ziel in vielen Fällen nicht einfach greifbar sind (s. Abb. 3). Das visionäre Ziel besteht darin, das Image der Instandhaltung in Ihrem Unternehmen zu optimieren, um die „Marke” Maintenance mit all ihren Stärken schließlich innerbetrieblich zu „vermarkten”.
Abb. 3: Phasen von Marketingmaßnahmen ( [4], S. 90)
Für Marketing in Maintenance gibt es kein fixes Drehbuch oder Lehrbuch, anhand dessen man standardisiert starten bzw. vorgehen könnte. Eines ist jedoch sehr klar: Marketing startet mit der Umsetzung der ersten individuell für ihre Organisation ausgewählten Maßnahme und der schrittweisen Anwendung darauf aufbauender Folgemaßnahmen. Die Führungskräfte der Instandhaltungsorganisation müssen diese erste individuelle Maßnahme aus der Fülle der vorhandenen Möglichkeiten auswählen, die dann gemeinsam angewendet und im Team nachhaltig erfolgreich etabliert werden muss. Schritt für Schritt, Stein auf Stein gilt es, diese Einzelmaßnahmen nach und nach aufeinander aufzubauen.
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